efeFF – Elektromobilität an der Flensburger Förde2018-12-04T14:53:09+00:00

Project Description

efeFF – Elektromobilität an der Flensburger Förde

Elektromobilität kann so schön sein: Sanft gleiten Sie dahin durch Angelns blühende Rapsfelder, genießen die Musik im Radio oder sprechen mit den Kindern auf der Rückbank, ohne vom Brummen des Verbrennungsmotors übertönt zu werden. Beim Starten an der Ampel macht es klammheimlichen Spaß, auch mal schaltungsfrei einen fossilen Verbrenner stehenzulassen.

Nur wer selber einmal e-mobil unterwegs war, weiß die Vorteile zu schätzen, genießt einen Hauch von Urlaubsgefühl und Entspannung. Doch noch gibt es auch eine andere Seite, die der „Entspannung pur“ entgegensteht: Reicht der Akku garantiert bis zur nächsten Ladesäule? Ist sie gerade blockiert von Dauerparkern? Ist die Ladesäule mit „meinem“ Stecker ausgestattet? Ist sie intakt, kommuniziert sie barrierefrei und siebenmal 24 Stunden die Woche nutzbar oder kann Sie nur von Kundenkartenbesitzern der Firma XY genutzt werden? Es gehört auch zur e-mobilen Realität im Jahr 2017, dass ein unkoordinierter Wildwuchs von Nutzer- und Bezahlsystemen zu bösen Überraschungen oder vermeidbarem Stress führen kann. Auch in Schleswig-Holstein ist die Ausgangslage noch so, dass längere Strecken in unbekanntem Gelände, ob beruflich im Außendienst oder auf Tagesausflug von Küste zu Küste schnell einen besonderen, aber selten gewünschten Kick von Abenteuerurlaub erhalten können. All die, die nicht über eine eigene Garage verfügen oder auch größere Strecken fahren müssen, also alle Mieter, Urlauber, viele Pendler und Tagesausflügler, sind bei einer allseits geforderten und aus bekannten Gründen notwendigen Energiewende im Verkehrsbereich auf eine öffentlich zugängliche und jederzeit nutzbare Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum angewiesen. Dafür sind langfristig überall dort, wo heute PKWs über längere Zeit parken und tanken müssen, elektrische Ladesäulen notwendig. Nicht notwendig ist hingegen Zugang zu kostenlosem Strom, denn Elektrofahrzeugfahrer wollen nicht subventioniert werden, sondern sind bereit für ihren Verbrauch rationale Preise zu zahlen. Gleichwohl kann an manchen Standorten in einer ersten Übergangszeit das Verschenken des Stroms kostengünstiger als manches Abrechnungssystem sein. Für Übernachtungsbetriebe, Restaurants und Einkaufszentren ist dies längst ein effektives Marketinginstrument geworden, um sich von der Konkurrenz abzusetzen: So wie kostenloser Internet-Zugang wird in wenigen Jahren der Zugang zur Steckdose ein wesentliches Kriterium für Hotel-Auswahl und Klassifizierung werden.

Gleichwohl gilt es, angesichts nicht unerheblicher Anschaffungs- und Betriebskosten Fehlinvestitionen in unattraktive Standorte ohne Aufenthaltsqualität zu vermeiden. Zudem ist es im Handlungsfeld Mobilität unabdingbar, dass Kommunen, Landkreise und touristische Dienstleister nicht allein für einzelne Standorte Insellösungen auswählen, sondern auf der Basis vorhandener Erfahrungen transparente Kriterien für die Standortauswahl und Bezahlsysteme definieren. Die Abstimmung mit benachbarten Akteuren zur gemeinsamen Ausschreibung regional kompatibler und barrierefreier Ladesäulen ist nicht nur sachlich geboten, sondern erleichtert gegebenenfalls auch die Beantragung von Fördermitteln und den Abschluss kostengünstiger Betreiber- und Wartungsverträge. Zur Unterstützung dieses Prozesses hat die artefact gGmbH für globales Lernen und lokales Handeln, die selber mit dem Betrieb des Zentrums für nachhaltige Entwicklung in Glücksburg/Ostsee vielfältige PionierProjekte bearbeitet, die Initiative für diese Machbarkeitsstudie und weitere Schritte zur Veröffentlichung der Empfehlungen ergriffen. Über verschiedene Informationsveranstaltungen und eine Handreichung zu Auswahlkriterien sollen Entscheidungsträger ermutigt und unterstützt werden, sich aktiv am Aufbau der Elektromobilität zu beteiligen.

Die in der Studie erfassten und bewerteten Standorte sind aufgrund verschiedener aufgeführter Kriterien ausgewählt worden. Dies bedeutet nicht, dass andere öffentlich zugängliche Standorte nicht geeignet sind. So sind insbesondere die Pendler-Parkplätze der regionalen Bahnhöfe aufgrund der langen Verweildauer parkender Fahrzeuge gut geeignet für meist recht preiswerte „Langsamlader“. Auch kirchliche Einrichtungen in zentrumsnahen Lagen erfüllen mit ihren Parkplätzen, aber auch ihrer Zielsetzung zur Bewahrung der Schöpfung oft notwendige Voraussetzungen und Motive für LadeAngebote auch über ihre unmittelbaren Zielgruppen und Öffnungszeiten hinaus. Rein private und gewerbliche Standorte, die nicht barrierefrei und öffentlich nutzbar sind, wurden im Rahmen der Studie nicht erfasst, da sie im Rahmen des aktuellen Förderprogramms der Bundesregierung nicht förderfähig sind. Doch auch ohne Zuschüsse ist möglicherweise eine gewerbliche Investition in einen stark frequentierten Kunden- oder Mitarbeiterparkplatz mit hohem Nutzerpotential höchst sinnvoll, etwa als Teil der Marketing-Strategie eines Hotels oder Speiselokals zur Kunden- oder auch Personalbindung: Mitarbeiterladestrom muss nach neuer Rechtsprechung nicht mehr als geldwerter Vorteil versteuert werden. Haben Betriebe wie Pizza-Lieferanten bis zum Hausmeister-Service selber hohen Kurzstreckenfahrbedarf im Liefer- oder Montageverkehr, amortisiert sich die passende betriebseigene Ladestation meist schnell über die Treibstoffkostenersparnis. Wer zunächst einmal vorsichtig testen will, ob das Fahrgefühl den jeweiligen Anforderungen genügt, hat bei den Mobilitätstagen und der „Tour de Flens“, die artefact gemeinsam mit dem Klimapakt Flensburg durchführt, die Möglichkeit, kostenlos und unverbindlich Elektromobilität zu erfahren. Die touristischen und kommunalen Akteure sind eingeladen, sich gemeinsam als Pioniere für nachhaltige Mobilität in der Region zu begreifen, die über Ladestationen hinaus auch Paketangebote mit Bahnanreise, Leihfahrzeugen und verbessertem ÖPNV entwickeln und so neue Zielgruppen und Gäste umwelt- und klimaschonend an die schönste Förde der Welt locken – mit einem Urlaub aus dem efeFF: elektrisch fahren und erholen an der Flensburger Förde.

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Machbarkeitsstudie zum Aufbau einer nachhaltigen Ladeinfrastruktur mit touristischem Schwerpunkt

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