Jahresrückblick 20102018-10-29T11:42:09+00:00

Project Description

Das Jahr 2010 — Ausblick 2011

Liebe Mitstreiter, Unterstützer, Freunde und Freundinnen unserer Arbeit,

herzliche Grüße und Wünsche für das Jahr 2011 senden wir Ihnen/dir vom Bremsberg in Glücksburg: das Gelände ist nach eintägiger Tauphase wieder überfroren, alles glänzt silberweiß. Manche bezeichnen das nun als Schneekatastrophe und Eischaos; ich nenne es Winter, und mit zugegeben etwas flexibleren Bahn-Fahrzeiten und Langlaufskiern kommt man weiterhin prima vorwärts.

Trotz regionaler Abkühlung  ist auch diese winterliche Wetterlage ein weiteres Indiz für den Treibhauseffekt und die weltweite Verschiebung von Klimazonen. Entschlossenes Handeln für eine wirkliche Energiewende bei uns und wie weltweit wird immer mehr zu einer Überlebensfrage für die Menschheit.
Auch die Nicht-Beschlüsse von Cancun haben gezeigt, dass Änderungsdruck und Überzeugungsarbeit mehr denn je von der Zivilgesellschaft geleistet werden müssen. Auf vielen Ebenen arbeiten wir, oft vernetzt mit vielen anderen Akteuren, an dieser Sysiphus-Aufgabe.

Wie kaum ein anderer stand und steht Hermann Scheer für die Energiewende. Der Initiator von Eurosolar,   dem Grünstrom-Label,  dem World Council for Renewable Energies, der UN-Organisation IRENA  übernahm 2008 die Schirmherrschaft   für unseren Freiwilligendienst solivol.
Im September wollten wir gemeinasm mit ihm im Folkecenter Dänemark den 75. Geburtstag von Preben Maegaard feiern und erstmals in Skandinavien ihren Film „Die 4.Revolution“ ansehen. Er war kurzfristig verhindert, zehn Tage später starb er. „Die 4. Revolution“ und sein letztes Buch „Der energethische Imperativ“ sind sein Vermächtnis und Auftrag zugleich.

Einen anderen energiepolitischen Lösungsansatz vertritt Max Schön vom Club of Rome und Aufsichtsrats-Vorsitzender von „Desertec“, der im August im Rahmen der Glücksburger Gespräche die Konzepte von europa- und nordafrikaweiten Stromverbundnetzen auf Basis regenerativer Gruoßkraftwerke vorstellte und damit auch eine weitere Nutzung unserer neuen Projektwerkstatt testete, die mit gut achtzig Zuhörern gut gefüllt war.

Das Jahr 2010 war wie die Vorjahre geprägt von einer großen Zahl von Jugend- und Erwachsenenbildungsprojekten. Tausende Schüler kamen auf Klassenfahrt oder als Klima-Pioniere über die Universitäten Kiel und Flensburg zu uns zu Power-Rallyes, Projekttagen oder maßgeschneiderten Aktionen. In der Erwachsenbildung waren die Solarschul-Kurse zu Photovoltaik und Solarthermie wieder erfolgreich. Mehr als dreißig erfolgreiche Prüflinge erhielten ihre Zertifikate.

Doch auch zahlreiche neue Gäste kamen und ungewöhnliche Seminare fanden statt:
In den Ferienzeiten erfreut sich das Gästehaus weiterhin stabiler Nachfrage durch Urlauber, oft über unseren Reiseveranstaltungspartner renatour. Gern nehmen sie das Angebot einer Hausführung wahr und immer häufiger mündet das in weitergehende Kontakte bis hin zur Mitgliedschaft im Förderverein für globales Lernen und lokales Handeln.
Zusätzlich finden aber auch andere neue Gäste den Weg zu uns: Seminargruppen mit eigenen verwandten Themen vom Mykologen-Workshop zur Artenviefalt heimischer Pilze bis zur Leuchtpol-Erzieherfortbildung zu Bildung für nachhaltige Entwicklung tagten 2010 erstmals bei uns. Alte Kontakte zu den Flensburger Hochschulen konnten wiederbelebt, andere neu geknüpft werden: während die Erstsemester vonEnergie- und Umweltmanagement zum Impulsseminar derFachschaft zu uns kamen, trafen sich die alten EUM-Alumni zu ihrer Jahrestagung; das Auftaktseminar für SESAM (Sustainable Energy Systems and Management) fand so großen Zuspruch, dass nun auch eine Summer school 2011 für Absolventen in Planung ist.
Die 2009 begonnenen Ausbaumaßnahmen als Jugendgästehaus trugen erste Früchte: Gruppenbuchungen etwa zum Freiwilligen Sozialen Jahr, mehrere Klassenfahrten aber auch die zahlreichen Vor- und Nachbereitungsseminare unserer „solar volunteers“ nutzten unsere erweiterte Selbstversorgungsküche. Die meisten Gäste und Gruppenlassen sich jedoch weiterhin mit Frühstücksbuffet und anderen Mahlzeiten, ob zu Seminar oder Feier, verwöhnen. Nach einigen Personalwechseln im Gästehaus ist seit dem Sommer mit Martina Janßen eine gruppenhaus-erfahrene und artefact seit Jahrzehnten verbundene Kollegin dabei, die gemeinsam mit Gyde Diederich für die richtige Atmosphäre und Professionalität sorgt.
Der Zeltplatz im Naturerlebnisraum nimmt immer mehr Gestalt an: Freiwillige eines Workcamps mit dem Service Civil International begannen den Bau neuer Komposttoiletten, die mit einem Handwaschbecken mit solar entkeimtem Regenwasser ergänzt wird, das im Rahmen eines internationalen Seminars mit dem Studienbegleitprogramm der ESG in Betrieb genommen wurde.
International ging es auch bei zahllosen weiteren Anlässen zu: für InWEnt (ab 2011 GIZ) führten wir mit mozambikanischen Multiplikatoren ein Seminar zu Windkraft und Solarthermie in Schleswig-Holstein und Dänemark durch. Gäste aus Italien, Korea, Chile und England wollten die Eigenarten des Energieeinspeisegesetzes untersuchen, Mitglieder der World Wind Energy Association verbanden den Besuch der Husum Wind-Messe mit einem Aufenthalt bei uns. Besucher aus Kenia und Tansania kamen mit Partnergruppen zu uns, während individuelle Kurse für den Evangelischen Entwicklungsdienst  auf Auslandseinsätze  in Sierra Leone, Kamerun, Peru, Ecuador oder Malawi vorbereiteten.
solivol, unser weltwärts-Freiwilligendienst in vier Ländern um den Victoriasee, hat sich unter der Leitung unseres Kollegen Frank Lüschow im besten Sinne etabliert: die ersten beiden Ausreisegruppen kamen im Laufe diesen Jahres wohlbehalten, doch übervoll mit neuen Erfahrungen und weiterführenden Anregungen  zurück von unseren Partnerorganisationen in Tansania, Ruanda, Kenia und Uganda.. Im Februar/März hatte ich mir selbst im Rahmen eines Zwischenseminars vor Ort viele neue Eindrücke mitnehmen können.
Derzeit sind 28 solar volunteers im Einsatz. Wir hoffen, die Ausreisezahlen pro Jahr trotz der Einsparpläne beim BMZ mindestens auf diesem Niveau halten zu können, um fachlich wie organisatorisch-ökonomisch Qualität und Aufwand in Balance halten zu können. Unter www.solivol.orgwerden die geplanten Einsatzstellen 2011 beschrieben.

Das dominierende Ereignis auf dem artefact-Gelände war 2010 zweifellos der Solarcup am 20. Juni: aus allen Landesteilen kamen Kinder und Jugendliche mit ihren selbst gebauten solaren Kleinfahrzeugen, um in der Ultraleicht- oder Kreativklasse an den Start zu gehen. Unterstützt durch die Bingo Umweltlotterie und Sponsoren von Solarwirtschaft bis Sparkasse  und koordiniert von unserem Projektleiter Heiko Rux wurde der Cup nun zum Landeswettbewerb, über den zahlreiche Medien berichteten. Der Schleswig-Holstein-Meister Till Opitz aus Berend gewann beim  ersten bundesweiten Solarmobil-Cup in Berlin im September zu unserer Freude auch den ersten gesamtdeutschen Titel.
Eingebettet war der Solarcup, für den wir erstmals die neue Jugendprojektwerkstatt mit elektrischer Reservesonne nutzen konnten, wieder in die Bau- und Energiemesse  naturtec´10, die erstmals „umsonst und draußen“ viele zusätzliche Gäste zu artefact führte.
Mit und ohne Solarrennbahn waren wir im Laufe des Jahres bei zahlreichen Veranstaltungen und Messen von Husum und Elmshorn über Schleswig bis Neumünster vertreten, bei Tagen der Offenen Tür unserer Wettbewerbs-Sponsoren und Lehrerfortbildungen.

Der Powerpark ist im Jahr 2010 um einige Attraktionen reicher geworden: sieben neue Stationen bzw. Infotafeln bilden einen neuen dreisprachigen Solarlehrpfad. Die archimedische Schlauchwinde dreht sich inzwischen runderneuert auf dem „Wasserberg“, der noch für weitere Wasserkraftanwendungsbeispiele  herhalten soll. Schon in 2010 waren bei Solardusche und Schlauchwinde Schülerprojekte aktiv, eine Wasserwippe wurde im Rahmen einer Maßnahme installiert.
Eine Selbstbau-Kleinwindkraftanlage wurde im Sommer von Tansania-Rückkehrern und unserem Kollegen Kai Dobbeck aufgebaut und soll im nächsten Jahr „Bienenhaus“ und Schweinegehege mit Strom versorgen.
Das im Frühjahr eröffnete neue Eingangshaus mit Cafeteria und Solarspielzeug-Präsentation hat sich bereits bewährt bei Gruppenankünften und Souvenir-Verkauf. Andrea Lauer und Harald Behnke sowie Holger Kokowski im Außenbereich haben mit administrativem „backing-up“ durch Marina Lange im Büro die Powerpark-Gäste voll im Griff.

Das Powerhaus, unsere bisherige Energiezentrale, ist auf dem Weg zum Sonnenhaus als weiteres Gästehaus auf der Zielgeraden: eine neue 65 KW Hackschnitzelheizung versieht nach ersten Anlaufschwierigkeiten ihren Dienst  und hat den Ölkessel nun komplett ausgemustert. Eine solarthermische Anlage (Paradigma- Vakuumröhren) übernimmt nun den Sommerbetrieb.  Mit Fremdfirmen und Eigenleistungen wurden fünf Gästezimmer und zwei Gemeinschaftsräume auf zwei Ebenen geschaffen. Verschiedene ökologische Dämmstoffe  kommen, zum Teil mit Sichtfenstern, dabei zur Geltung. „Urlauben im Sonnenhaus“ ist also im nächsten Sommer angesagt! Gleichwohl sind noch zahlreiche Ausbauarbeiten und Details von der Innengestaltung und Möblierung bis zur aufwendigen zusätzlichen Außendämmung mit zukunftsweisenden Standards im kommenden Frühjahr abzuarbeiten. Dreh- und Angelpunkt der Eigenleistungen auf den diversen Baustellen ist stets unser Hausmeister und „Holzwurm“ Jürgen Lassen, der bis zum Sommer von unseren FÖJlern Jakob Stein und Phillip Wienecke, ab August von Matthias Nowc und Simon Ottrand unterstützt wurde/wird. Dazu kamen wochenlang Kai Dobbek und Stefan Stahl. Auch die verschiedenen Kurz- und Langzeit-PraktikantInnen, die, wie Paloma Cutter aus Cottbus, teilweise mehrere Monate bei uns waren, packen immer gern mal mit an, ob auf der Baustelle oder bei der Durchführung von Ferienpassaktionen für weit über hundert „Lehmbau-Kinder“.
Die Finanzierung der genannten Ausbaumaßnahmen wäre undenkbar ohne die Unterstützung von Bingo, der Stiftung Deutsche Jugendmarke und dem Jugendminsterium Schleswig-Holstein. Trotzdem kommen wir mit den Anforderungen an Eigenleistungen und -mittel an unsere Grenze. Nach wie vor sind wir der wohl einzige gemeinnützige Bildungsträger des Landes, der für seine Arbeit keine teilnehmer- oder leistungsgekoppelten Zuschüsse erhält. Da die 2004 für Übernahme und Sanierung des Zentrums aufgenommenen Kredite noch viele weitere Jahre zu tilgen sind,  versuchen wir, weitere zinsträchtige Kreditaufnahmen zu vermeiden.

Dies gilt umso mehr für eine weitere doppelt sinnvolle Zukunftsinvestition:

Die neue Projektwerkstatt im Naturerlebnisraum hat eine Dachfläche, die geradezu ruft nach einem Photovoltaik-Dach von etwa 20 KW. Durch die drastischen Absenkungen beim Energieeinspeisegesetz – ab dem 1.1. 2011 um weitere 13 % – soll Solarstrom zwar immer schneller an den Kohlestrompreis angeglichen werden, ohne Eigenkapital ist eine (für unsere Bildungsarbeit hochwillkommene) Rendite aber nun kaum noch zu erzielen. Dazu kommt die fachliche Herausforderung des Energiemanagements: mit bestehender 15 KW- Solaranlage und 30 KW- Windkraftanlage produzieren wir statistisch zwar bereits mehr Strom als wir verbrauchen, aber leider meist nicht zeitgleich. Die genaue Planung von Energieflüssen, -einspeisung und evtl. Zwischenspeicherung in einem smart grid  ist eine auch strategisch zukunftsweisende energiewirtschaftliche Herausforderung, die wir mit einer Diplomarbeit und einer zusätzlichen Photovoltaikanlage in die Praxis umsetzen wollen. Wir rechnen mit einem Investitionsbedarf von 50-80.000 Euro.

Freunde und Unterstützer sind herzlich eingeladen,  sich mit einem längerfristigen zinslosen Kredit an dieser Zukunftsinvestition zu beteiligen, die gleichzeitig durch das EEG und die PV-Anlage selbst eine  krisensichere  Absicherung bedeutet. Für weitere Informationen und Ideen bin ich gern jederzeit ansprechbar!

Darüberhinaus haben wir einiges vor in 2011:

Am 19. Juni 2011 soll der dritte Schleswig-Holstein – Solarcup stattfinden. Bereits im März ist im Rahmen der New Energy in Husum der Start für Anmeldungen und zahlreiche dezentrale Auftaktveranstaltungen und Workshops mit Schülern, Konfirmanden und anderen Initiativen vorgesehen.
Mehrere  Sponsoring-Partner des Vorjahres haben bereits ihre Unterstützung für den nächsten Wettbewerb zugesagt,  weitere sind herzlich eingeladen, mitzumachen. Auch für den Blick und Ausbau über die Flensburger Förde gibt es die ersten Ideen…

Auch die stetige Weiterentwicklung von Jugendbildungsangeboten und Powerpark ist geplant, könnte aber durch zwei Entwicklungen erschwert werden: mit dem Jugendhof Schwennau schloss zum Jahreswechsel  das größte Übernachtungsangebot Glücksburgs seine Pforten, Auswirkungen sind zu erwarten.  Außerdem fällt durch die Kürzungen des Landes eine von zwei FÖJ-Stellen bei artefact weg. Das neue Freiwilligengesetz erfordert für eine Stelle einen Trägerbeitrag von mindestens € 6000,-/Jahr.
Die Arbeit wird also trotz „Ankommens“  unserer  Themen im mainstream nicht automatisch einfacher.
Doch konnten wir bereits Vieles erreichen, Mut machen, zum Selber aktiv werden motivieren.

Auch wir selber brauchen dafür  Motivation und Unterstützung,  um Vieles weiter und manches noch besser zu machen. Allen haupt- und ehrenamtlichen Unterstützern, ob hier vor Ort bei Geländeentwicklung und Kaffeekochen oder bei der Werbung im Kollegenkreis, ob als Mitglied im Förderverein oder „von Fall zu Fall“  an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für handfeste oder moralische Unterstützung! Bleiben Sie uns gewogen!