„Mit dem Dörpsmobil in´s zukunftsfähige Dorf?“ am 9.11. in Glücksburg

„KISS“ ist die Devise von Werner Schweizer für das Buchen der ersten beiden elektrischen Gemeinschaftsautos in Klixbüll – und damit ist kein allzu persönliches Begrüßungsritual gemeint: „keep it short and simple“ erleichtert auch Mitbürgern ohne smartphone und technisches Wissen den Einstieg in die umwelt- und geldbeutelfreundliche Bürger-Bewegung.
Statt des Führens von Fahrtenbüchern und kilometergenauer Abrechnungen zahlen die Klixbüller € 3,50 pro Stunde, egal ob sie zum Seniorentreff im Nachbarort oder zum Einkaufen nach Kiel fahren. Das spart Bürokratie und macht bei den Treibstoffkosten keinen großen Unterschied, denn mit dem vor Ort geladenen Wind vom Deich lässt sich je Euro um ein Mehrfaches weiter fahren als mit Öl vom Scheich. So bleibt das Geld in der Region und verhilft dem Ort zu weiteren Einsparungen, wenn sich Bürgermeister, Feuerwehr und Flüchtlingsbetreuer die Fahrertür in die Hand geben. Als noch wertvoller schätzt der ehrenamtliche Dörpsmobil-Initiator aber die sozialen Kontakte und den Gemeinschaftssinn ein, wenn autolose Schüler und führerscheinlose Senioren sich für die gemeinsame Flensburgfahrt mit dem fast  geräuschlosen E-Fahrzeug verabreden.
Fast vierzig Interessierte waren der Einladung von artefact zu den Glücksburger Gesprächen gefolgt, die alljährlich mit besonders engagierten Pionieren und Impulsgebern für nachhaltige Entwicklungen durchgeführt werden. Den Einstieg in die Veranstaltung lieferte Alina
Cornelissen von der Regionalen Netzstelle für Nachhaltigkeitsstrategien, indem sie kurz die international beschlossenen, aber vor Allem auch lokal umzusetzenden „Sustainable Development Goals“ skizzierte, von denen gleich mehrere von der nordfriesischen Dörpsmobil-Initiative tangiert werden.

Viele Diskussionsteilnehmer, darunter Transformationsdesign-Studierende der Uni Flensburg ebenso wie zahlreiche Kommunalpolitiker und Bürgermeister aus der Region, hatten im Anschluss an den Vortrag von Werner Schweizer Fragen zur Alltagspraxis von Fahrzeug-Versicherung über „Leasen, Mieten oder Kaufen“ bis zur Reinigung des Fahrzeugs. In mehrere
Kommunen in Angeln scheint das erste Dörpsmobil bereits auf dem Weg zu sein.
Julia Schirrmacher, Klimamanagerin der Flensburger Umlandregion „Rückenwind“, konnte berichten, dass in Medelby bereits erfolgreich mit demselben Konzept gefahren wird. Mit der zusätzlichen Unterstützung der Aktivregion können nun auch im Tourismus engagierte Betriebe rechnen, die sich für eigene Fahrten oder als Leihfahrzeug für ihre Urlaubsgäste
ein E-Mobil zulegen wollen. Unter dem Projektnamen EMONO läuft die von Marianne Budach im Grünen Binnenland gestartete Initiative. Es mangelt also nicht an know how und guten Voraussetzungen für den Wechsel zu Elektrofahrzeugen und den ersten Dörpsmobilen auch in Angeln, war sich Veranstaltungsleiter Werner Kiwitt bei der Schlussrunde sicher und
ermunterte die Teilnehmer, nun Nägel mit Köpfen zu machen: „Nun sind Sie dran!“

2018-11-13T10:22:44+00:00