Project Description

Jahresrückblick 2015
und Ausblick 2016

„Mit viel Energie für ein gutes Klima“ – so überschreibt das Flensburger Tageblatt einen Artikel zur Gründung des früheren artefact e.V. vor mittlerweile fast 30 Jahren. Viel hat sich seitdem getan und trotz aller Klimagipfel wird die Herausforderung nicht einfacher.. – wir bleiben dran!

Das neue Jahr ist nicht mehr ganz frisch, der Alltag hat auch mich nach einem intensiven vierwöchigen Aufenthalt im westafrikanischen Liberia längst wieder im Griff; dennoch möchte ich Ihnen /euch einen Rück- und Ausblick auf die Aktivitäten und Veränderungen rund um das Zentrum für nachhaltige Entwicklung nicht vorenthalten.

Bei im Wesentlichen gleicher Mitarbeiterzahl gab es 2015 eine Neuerung bei unseren Freiwilligen: parallel zum Aufbau unseres Freiwilligenprogramms „solivol“ für junge Deutsche in Ostafrika war es uns ein Anliegen, auch ein Reverseprogramm  für Freiwillige aus dem Süden hier bei uns auf den Weg zu bringen. Sechs Freiwillige aus Tansania und Uganda wurden von uns 2015 in verschiedene Einsatzstellen in Schleswig-Holstein vermittelt, darunter mit Alex Tumuhairwe aus Rukararwe/Uganda auch ein Freiwilliger hier bei uns in Glücksburg. Erst in der letzten Woche fand das Abschlusseminar für diesen ersten Jahrgang statt und brachte viele unerwartete aber zumeist positive Rückmeldungen auf den Punkt. Die ersten sechs von zehn Freiwilligen für das Jahr 2016 sind bereits in ihren Einsatzstellen, darunter der artefact-Freiwillige Kiwelu aus Tansania, der nun von seinen fünf deutschen und französischen Co- FÖJlern in die Gebräuche und Wetterkapriolen im echten Norden eingeführt wird.
Willkommen im Team!

Bildung für globales Lernen

Bei den Projekttagen für Schulen und andere Gruppen macht sich weiter der demographische Wandel bemerkbar. Bei den interkulturellen Projekttagsthemen konzentrierte sich das Interesse vor Allem auf „Wie leben Kinder in Afrika?“, zu dem Alex afrikanische Spiele einbringen konnte; neben „Wie kommt die Sonne in die Steckdose?“ hatte Kollege Thomas Rothenberg wieder verstärkt Projekttage zum Thema Windenergie und zu betreuen.  Power-Rallyes plus Mittagessen wurden erstmals in einer Woche von gleich sechs Schulklassen gebucht, nach dem  Probelauf im letzten Jahr nun auch schon für 2016. Vom Rendsburger Gymnasium für erneuerbare Energien kamen zwei Schulklassen konsequent per Fahrrad zu Powerpark-Rallye, Workshop und Übernachtung.

Auch im siebten Jahr war es uns gelungen, erneut die Finanzierung des Landes-Solarcup auf die Beine zu stellen. Neben Unterstützern aus früheren Jahren wie der Nospa, gp joule und Fecon gelang es, mit V+R Bank Niebüll, Nordgroon und  Wattmanufactur auch neue Sponsoren zu gewinnen und mit 56 Teams tolle Solarboot- und autorennen sowie Posterpräsentationen zu erleben. Die Informations- und Werbestände für Solarcup und unsere Jugendbildung führte uns 2015 nicht nur zu den bisherigen  Orten wie New Energy Husum, Gottorfer Landmarkt, Ostergaard und Uni Flensburg, sondern gleich zweimal für 2 Tage nach Lübeck sowie zum Mobilitätsmarkt nach Kiel. Für 2016 ist bereits zusätzlich ein Wochenende bei der NDR LAndpartie in Rendsburg eingeplant.
Aus den letztjährigen Solarcupsiegern gingen nicht nur mehrere SolarMobil-Teilnehmerteams hervor, sondern beim Bundesfinale in Karlsruhe auch ein Vizemeistertitel durch zwei zwölfjährige Mädchen aus Hohenwestedt. Herzlichen Glückwunsch! Wir hoffen, dass uns auch 2016 die Sponsoren die Treue halten, um euch im Juni als Titelverteidigerinnen begrüßen zu können!

Die fünfte  elektro-mobile  Tour de Flens legten wir auf das September-Wochenende mit dem Auftakt zum bundesweiten Klimapilgerweg nach Paris. So erlebten die Elektrofahrzeug-Pioniere neben dem Start bei den Sonderborger Versorgungswerken und spannenden Führungen in Laboren und auf dem Dach der Universität Sonderborg, an Biogasanlagen und Sylphie-Feldern auch die Ankunft von Clima sail- Segelbooten am Flensburger Hafen und am nächsten Tag den Auftakt der Wanderer  am Flensburger Südermarkt. Unsere „Glücksburger Gespräche“ drehten sich im Vorfeld um das Thema Windenergie für Wasserstoff versus Elektrofahrzeuge mit Windpionier Reinhard Christiansen als Impulsredner. Die Tour wurde unterstützt von EKSH, den Stadtwerken Flensburg, gp-joule  sowie der Flensburger Brauerei und Elektro-Obernauer. Eine Dokumentation der Tour kann eingesehen werden.

Das Energiestrategiespiel  „Changing the Game -Energie deiner Zukunft -Zukunft deiner Energie“ wurde von dem Kollegen Thomas Rothenberg neben einigen Workshops in Deutschland erstmals für Multiplikatoren in Österreich durchgeführt. Weitere Infos für an einem Workshop oder Multiplikatorenschulung Interessierte auf unserer homepage.

Nach Ostafrika mit solivol

Nach mehreren Jahren des Wachstums bei Freiwilligenzahlen und Mitarbeiterstellen wurde im letzten Jahr bei leicht rückläufigen Teilnehmerzahlen ein Konsolidierungsprozess eingeleitet, während wir mit dem Reverseprogramm für Arfikaner in Schleswig-Holstein erfolgreich Neuland betraten. Zusätzlich zu den zahlreichen Vor- und Nachbereitungsseminaren fand im Frühsommer ein „generationsübergreifendes“ Rückkehrer-Zeltlager mit Impulsen für die „Bildungsarbeit danach!“ statt.
Wir konzentrieren uns weiterhin auf Einsatzstellen in sieben Ländern Ostafrikas: Äthiopien, Kenya, Uganda, Tansania, Ruanda, Malawi und Sambia. Bewerbungen für i.d.R.einjährige Aufenthalten sind für Sommer, Herbst und Winter 2016 noch erwünscht: unter solivol.org finden Sie Projektbeispiele und weitere Informationen.

Erwachsenenbildung

Aufgrund eines früheren Fachseminars für chinesische Windenergie-Mutiplikatoren wurde ich selber im April eingeladen, um mit einer Delegation unter der Führung des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers Hangzhou und Shanghai zu besuchen. Auch wenn sich noch keine unmittelbaren Seminare daraus ergeben haben, so sammelte ich doch viele neue Kontakte und Anregungen etwa für schulisch-touristische Projekte. Als Folge eines früheren Seminars für indonesische Vertreter führte ich im letzten Herbst ein Seminar für das indonesische Fischereiministerium durch.
Während der Markt für Solarfachberaterkurse in Deutschland weiter am Boden lag, entwickelte sich eine Initiative zur Verbreitung energieeffizienter Herde erfreulich: mit aus Südafrika importierten Montagesätzen für Pyrolyse-Herde und entwicklungspolitischen Fachleuten und Koreferenten  konnten gleich mehrere Workshops zu Einsatz und Bau von Lehm- und Metallherden für Gäste aus dem Süden und Akteure der Nord-Süd-Arbeit durchgeführt werden. Eine Fortsetzung mit zusätzlicxhen Schwerpunkten wie Holzkohlenutzung für terra preta ist in Planung.
Erstmals führten wir einen einwöchigen Workshop zum Bau einer Kleinwindkraftanlage durch, den eine amerikanische Organisation in Auftrag gegeben hatte. Tagelang wurde im Sommer geschweisst, gefeilt und verharzt, bis die Studierenden stolz ihre scoraig- Mühle in Betrieb und mit nach Kopenhagen nehmen konnten.
Mehrtägige Seminare zum Thema Energiewende in Schleswig-Holstein und Dänemark wurden für das Internat Birklehof und Studenten der katholischen Universität Eichstätt Erfreulich waren  weitere Synergieeffekte mit dem Gästehaus: so hatten wir mehrere Gruppen von Studierenden  der Universitäten Flensburg, Kiel und Berlin und Doktoranden aus dem Baltikum über Geomar in Kiel zu Gast, die gern eine Führung durch das Zentrum in Anspruch nahmen. Dazu gehörte natürlich auch das bei uns abgerundete Alumni-Treffen des Studiengangs Energy and Environmental Management, der vor 25 Jahren als Untermieter und siamesischer Zwilling von artefact unter dem Namen  „artes“ an den Start ging: frühere KommilitonInnen sind inzwischen als Multiplikatoren, Direktoren oder Minister in ihren Heimatländern für ihre Energiewende zuständig.

Gästehaus

Externe Seminargruppen wie oben, FÖJ-Seminare und unsere Eigenveranstaltungen zur Vor- und Nachbereitung für Ostafrika  waren auch 2015 wichtig  für die Auslastung des Gästehauses, doch auch Klassenfahrten, Sportfreizeiten, Familienfeiern und in den Ferienzeiten Urlauber und Triathleten bilden ein wichtiges Rückgrat für eine bis auf die Wintermonate erfreuliche Auslastung. Umso mehr freuen wir uns, wenn in den Wintermonaten Kirchengemeinden und Verbände Klausurtagungen durchführen oder Unternehmen wie proclima Fortbildungen zu ökologischem Bauen in unseren Räumlichkeiten anbieten.
Dringend notwendige Instandsetzungsarbeiten und Reparaturen an Flachdächern und der Gewölbefassade sind für  die auslastungsschwache Zeit der nächsten Februarwochen geplant.

Gelände

Der „Zeltplatz in der steckdosenfreien Zone“ wurde im Sommer mit Unterstützung von zwei internationalen SCI-Workcamps komplettiert: unter Anderem wurde das Dach der Solarküche begrünt, ein Solarkocher in Betrieb genommen. Außerdem wurde eine Zwischendecke im Sonnenhaus mit am Strand gesammeltem und getrocknetem Seegras gedämmt – wie beim Gästehausbau vor 26 Jahren. Inzwischen hat die Idee gewerbliche Nachahmer in der Region gefunden!
Weitere Arbeiten wie Aufbau  von Kleinwind-Demo-Anlagen konnten noch nicht in Angriff genommen werden, weil sich die Genehmigung des Bebauungsplans durch die Gemeinde aufgrund von diversen Änderungswünschen wie alternative Oberflächenentwässerung um ein weiteres Jahr verzögerte.
Verschiedene mehrfach hinausgezögerte Maßnahmen  sollen nach Abschluss des Verfahrens zügig auf den Weg gebracht werden.

Der Powerpark

Die Erschließung benachbarter Neubaugebiete auf der Bremsbergallee war im vergangenen Jahr eine erhebliche Beeinträchtigung für Gästehaus- wie Powerparkbesucher. Vor Allem Spontanbesucher wurden durch Schlammpisten und zeitweise Sperrungen abgeschreckt. Doch nun ist die Straßendecke – hoffentlich inklusive aller langfristig benötigter Rohre und Kabel – wieder geschlossen und fast ohne Einschränkung passierbar.

Eine zusätzliche Attraktion für die Powerpark-Gäste war in den Sommermonaten eine Wanderausstellung zum Klimawandel, die wir vom Verein WissenLeben e.V. ausleihen und mit einem Impulsvortrag von Dr. Maiken Winter eröffnen konnten. Für Schulklassen und die intenationalen Workcamp- Teilnehmer konnte dazu mithilfe unserer engagierten Praktikantin Pia Heinen ein spezielles Klima-Quiz gleich in deutsch und englisch angeboten werden.
Die Instandhaltung  und Reparatur bestehender Stationen durch unsere Mitarbeiter sowie die Workcamp-Freiwilligen stand im Zentrum der Powerpark-Arbeiten, da Neues aus o.g. Gründen nicht begonnen werden konnte. Doch auch die Erneuerung von Pavillon-Dachrinnen und Ähnliches bot reichlich Arbeit. Rolf Gellweiler bringt als neuer Teilzeit-Mitarbeiter  wertvolle Erfahrungen für technische Details ein.
Konkret soll im neuen Jahr die Lärmschutzwand zu einem Eckgebäude als Geo-Klima-Infohaus ausgebaut werden. Ein begehbarer Energiewürfel und weitere Infotafeln und  Stationen zu klimarelevanten Lebensbereichen und Handlungsfeldern sollen den Klima-Parcours komplettieren, für den von der Bingo -Lotterie Zuschüsse bewilligt wurden. Das wird in diesem Jahr viel Arbeitszeit binden!