MHM Workshop in Kigali

Dagmar Kohlmeier - weltwärts Freiwillige in Bukoba/Tansania seit Sept. 2016

Im Rahmen meines Freiwilligendienstes solivol arbeite ich in der NGO KADETFU in Bukoba an einem Projekt, das sich mit einem Thema beschäftigt, welches die Hälfte der Weltbevölkerung betrifft und trotzdem global mit Tabus, Mythen und Stigmatisierung behaftet ist: Menstruation. Das Projekt sieht nämlich vor, Mädchen an Schulen wiederverwendbare Binden zur Verfügung zu stellen, sie zu Unterrichten und ihnen die Nähtechnik für solche Binden zu erklären. In Ländern des globalen Nordens selbstverständlich, ist es in Tanzania für Mädchen und Frauen schwierig, an Menstruationshygieneartikel zu kommen. Binden sind teuer, sodass einige auf Naturmaterialien zurückgreifen und sich vor allem Mädchen unwohl fühlen, während ihrer Menstruation zur Schule zu gehen. Durch den Verpassten Schulstoff bleiben Mädchen teilweise sogar ganz der Schule fern. Diesem Zustand möchte das Projekt entgegenwirken.

Um mich zu dem Thema Menstruationshygiene weiterzubilden und in Erfahrung zu bringen, wie an dieses in Tanzania nicht unsensible Thema herangegangen werden kann, habe ich für drei Tage an einem MHM Workshop in Ruandas Hauptstadt Kigali teilgenommen. Eingeladen dazu wurde ich von der Leiterin dieses Workshops, der von der Organisation WASH United organisiert wurde und im Rahmen des East African Peace Festivals stattfand. MHM steht für Menstrual Hygiene Management und beinhaltet das Brechen des Schweigens über Menstruation, dem Management dieser und der Entsorgung von Menstruationshygieneartikeln. An dem Workshop nahmen insgesamt 20 interessierte junge Männer und Frauen von Organisationen aus Uganda, Kenia, DR Kongo, Tanzania und Ruanda teil. So bunt gemischt wurde jedoch ziemlich bald deutlich, dass sich die Erfahrungen, die wir mit Menstruation machen, gar nicht so sehr unterscheiden und die im Nachhinein doch oft recht witzigen Geschichten der Menarche weltweit gleich sind. Bei den Mythen rund um das Thema Menstruation haben wir jedoch festgestellt, dass es in Ostafrika einige gibt, die Frauen und Mädchen erheblich einschränken. So haben wir beispielsweise die Frage diskutiert, ob eine menstruierende Frau kochen darf? Laut verschiedenen kulturellen und religiösen Auffassungen ist das nämlich verboten, da unter anderem der Glauben herrscht, dadurch könne eine Frau ihren Mann verhexen woraufhin dieser ihrem Willen folgen würde. Aber auch die Assoziation von Menstruation mit Unsauberkeit oder gar dem Ansehen dieser als eine Krankheit führt zu Einschränkungen von Frauen. Das Nahekommen des Ehemanns oder des Vaters ist für einige Frauen während ihrer Menstruation ein Tabu, das damit zusammenhängt, dass menstruierende Frauen als ,,unsauber“ gelten. Doch auch in Staaten des globalen Nordens fühlen sich manche Männer (und leider auch Frauen) unwohl, über das Thema Menstruation zu sprechen oder sich näher damit auseinanderzusetzen.

Dabei unterscheidet sich Menstruationsblut überhaupt nicht vom restlichen Blut im Körper und die durchschnittliche Menge an Blut, die eine Frau während ihrer Periode verliert, sind bloß zwei bis sieben Tafellöffel. Was jedoch aus letzteren Mythen resultiert, ist, dass sich Mädchen oft nicht trauen, mit Männern offen über ihre Menstruation zu reden, was zur Folge hat, dass sie ihre Väter, die meist das Geld in der Familie verwalten, nicht um Geld für Menstruationshygieneartikel wie Pads bitten können. Stattdessen greifen sie auf andere Materialien zurück und verschweigen ihr Anliegen. Weitere Mythen, die genannt wurden, besagen, dass menstruierende Frauen nicht in die Kirche gehen dürfen, Gemüse oder Bäume vertrocknen, wenn sie von ihnen geerntet oder gegossen werden oder Mädchen während ihrer Menstruation keinen Sport betreiben dürfen. Nachdem wir im Workshop über alle diese und weitere Mythen diskutiert haben, konnten wir uns aber darauf einigen, dass die meisten nicht wahr sind. Nur bei Mythen oder Verboten mit religiösen Hintergründen war eine Einigung in der Gruppe teilweise nicht möglich. Das zeigte jedoch, wie unterschiedlich Mythen aufgefasst werden und dass sie nur einzeln und langsam besiegt werden können. Um den Mythen symbolisch entgegenzuwirken, haben wir sie auf Zettel geschrieben an leere Flaschen geklebt, um sie dann mit Bällen umzuwerfen. Dieses Spiel ist Teil des MHM Training Programmes für SchülerInnen, für welches alle TeilnehmerInnen des Workshops Unterrichts- und Anschauungsmaterialien sowie ein Begleitheft von WASH United erhalten haben. Das Ziel des Workshops war es nämlich, dass die Teilnehmenden das erlernte Wissen zurück in ihren Organisationen vor Ort an junge Menschen und auch an die Community weitergeben. Um mit dem Thema Menstruation mit Kindern zu arbeiten, beinhaltet dieses Programm verschiedene Spiele und Aktivitäten, die ihnen die Angst nehmen sollen. Gleichzeitig fällt bei den Aktivitäten das Erlernen von neuem Wissen leichter und da wir einige dieser Spiele während des Workshops ausprobiert haben, kann ich sagen, dass sie auch für Erwachsene wirklich Spaß machen können. Generell herrschte dadurch während des Workshops eine sehr gute Arbeitsatmosphäre, in der es Freude bereitete, neues zu lernen und niemand sich unwohl fühlte, tiefergehend über Menstruation zu diskutieren. Am Ende des Workshops haben wir dann verschiedene Projektideen mit dem Hintergrund des neuen Wissens nach ihrer Sinnhaftigkeit bewertet. Dadurch konnte ich noch einige neue Ideen zu meinem Projekt sammeln. Mein Ziel ist es nun im Rahmen des Reusable Sanitary Pads Projects das erlernte Wissen und die praktisch erprobten Erfahrungen in Bukoba und Umgebung weiterzugeben, um Schritt für Schritt immer mehr Menschen zu erreichen.